Mit dem Zug durch den Kaukasus: Armenien, Georgien und Aserbaidschan

Eisenbahn in Kaukasus

Die Bergregio­n Kaukasus stellt eine natürliche Grenze zwischen Europa und Asien dar. Der Kaukasus kann den Reisenden sehr viel bieten: atemberaubende Berglandschaften, gastfreundliche Menschen, vielfältige Küche und unvergessliche Begegnungen.

Eine Reise mit dem Zug ist in Kaukasus allerdings nicht beliebig möglich. Zwischen Armenien und Aserbaidschan besteht wegen des Konflikts um Bergkarabach keine Eisenbahnverbindung. Nur von Georgien fahren in beide gestrittene Länder internationale Züge. Um eine Strecke nicht doppelt fahren zu müssen, sollte man daher die Reise in Armenien oder Aserbaidschan beginnen. Georgien soll dagegen möglichst „in der Mitte“ geplant werden.

Nachtzüge in Kaukasus

Sowohl in Armenien und Georgien als auch in Aserbaidschan gibt es in allen Nachtzügen drei Wagonarten:

  • 3. Klasse (Platykartnyj) = Schlafwagen ohne abschließbare Abteile
  • 2. Klasse (Kupiejny) = Schlafwagen, abschließbare 4-Bett-Abteile
  • 1. Klasse (Lux) = Schlafwagen, abschließbare 2-Bett-Abteile

Unsere Reiseangebote für Kaukasus

Kaukasus mit dem Zug - eine Bahnreise von Jerewan nach Baku, 12 Tage

Eine Bahnreise vom Schwarzen Meer bis zum Kaspischen Meer, 16 Tage

Aserbaidschanische Eisenbahn

Aserbaidschan besitzt ein 2125 km langes Eisenbahnnetz. Das Netzwerk und die Züge werden von der Aserbaidschan Staats­bahn (ADDY - Doövlet Azerbaycan Demir Yolu) betrieben. Der Eisenverkehr in Aserbaidschan konzentriert sich rund um die Hauptstadt Baku, die Hauptverkehrsknotenpunkt ist und von der fast alle Züge fahren.

Internationaler Reiseverkehr besteht zu der Russischen und der Georgischen Eisenbahn. Die Bahnverbindung mit Armeni­en, sowie der gesamte Grenzverkehr wurde wegen des Kon­flikts um Bergkarabach eingestellt. Die Grenze nach Russland kann dagegen nur von Bürgern der GUS-Staaten überschritten werden.

Zu den schönsten Strecken gehört die Strecke zwischen Baku und Astara (einer kleinen Stadt an der Grenze zu Iran). Diese außergewöhnlich malerische Route ist 315 km lang und führt am Ufer des Kaspischen Meers entlang. Es besteht leider kei­ne Bahnverbindung zu der iranischen Grenzstadt, die ebenfalls Astara heißt. Eine Weiterreise nach Teheran ist daher nicht möglich. Zu beachten sind die Öffnungszeiten des Grenzüber­gangs: 9:00 – 18:00 Uhr.

Die Züge der Aserbaidschanischen Eisenbahn sind keine Hochgeschwindigkeitszüge. Sie sind relativ langsam, bieten aber eine bequeme und sichere Möglichkeit, das Land zu be­reisen. Die Nachtzüge in Aserbaidschan sehen den Zügen der anderen postsowjetischen Länder ähnlich.

Georgische Eisenbahn

Georgien verfügt über ein insgesamt 1612 km langes, vollstän­dig elektrifiziertes Schienenverkehrsnetz., das durch nationale Eisenbahngesellschaft Sakartwelos Rkinigsa betrieben wird.

Im Gegensatz zu anderen Ländern der Region, investiert Geor­gien in die Bahnkommunikation, auch wenn noch viel Aufwand notwendig ist. Die Modernisierung der Bahn beruht vor allem auf dem Ausbau der Bahnverbindung in die Türkei. Auch die Waggons, besonders auf den internationalen Strecken (nach Jerewan und Baku) haben jetzt Klimaanlage.

Eine Bahnverbindung zwischen der Türkei und Georgien befindet sich laut offiziellen Informationen noch im Bau. Die Strecke Achalkalaki – Kars soll aber bald fertig sein. Es bestehen internationale Verbindungen nach Jerewan und Baku. Die Züge aus Georgien in die Hauptstädte von Armenien und Aserbaidschan verkehren täglich. In der Sommersaison fährt sogar ein zusätzlicher Zug von Jerewan nach Batumi.

So sieht der Zug Tiflis – Jerewan aus:

Wagon 2. Klasse:

Wagon 1. Klasse:

Armenische Eisenbahn

Die wichtigsten Transportmittel, wie in vielen anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion sind auch in Armenien immer noch die Kleinbusse (Marschrutkas) und Taxis. Armenien be­sitzt lediglich ein 845 km langes Streckennetz, das von der Südkaukasischen Eisenbahn (Harawkowkasjan Jerkatughi) be­trieben wird - einer Tochterfirma der Russischen Eisenbahn (RZD).

Es gibt nicht viele Bahnverbindungen und viele touristisch inter­essante Orte haben gar keine Bahnanbindung. Die vorhande­nen Züge sind zusätzlich ziemlich langsam. Aber trotz all die­ser scheinbaren Unannehmlichkeiten ist eine Bahnreise in Ar­menien eine gute Alternative für all diejenigen, die das Land bequem und auf eine interessante Weise erkunden wollen.

Es besteht zur Zeit nur eine internationale Bahnverbindung mit Georgien (Jerewan – Tiflis). Durch die Schließungen der Gren­zen zur Türkei und Aserbaidschan sind die Bahnverbindungen mit diesen Ländern sowie nach Iran (über Aserbaidschan) ein­gestellt.

Bahnstreckennetz in Kaukasus

Bahnstrecke Baku – Tiflis

Auf dieser Strecke verkehren in beide Richtungen die Züge Nr. 37/38. Zur Verfügung stehen Wagons der 2. Klasse mit 4-Bett-Abteilen und Wagons der 1. Klasse mit 2-Bett-Abteilen. Der Zug von Baku nach Tiflis fährt täglich um 20.45 Uhr ab (Ankunft in Baku am nächsten Tag um 11.40). Der Zug von Tif­lis nach Baku fährt auch jeden Tag um 16.30 Uhr ab und kommt in Baku um 10.20 Uhr an.

Die Reise mit dem Nachtzug ist langsam, aber komfortabel. Zu beachten ist allerdings, dass die Züge an zwei ziemlich „un­freundlichen“ Grenzübergängen halten. Lange Verzögerungen sind deshalb Routine. Bis ca. 3 Stunden Aufenthalt ist an jeder Grenze zu erwarten.

Die Fahrkarten sollen im Voraus gebucht werden, besonders während Ferien und Feiertage (wie Namas).

Bahnstrecke Jerewan – Tiflis

Die Bahnstrecke nach Tiflis ist die einzige armenische interna­tionale Bahnverbindung. Zur Verfügung stehen auch hier Wag­ons der 3. Klasse mit „offenen“ Abteilen, Wagons der 2. Klasse mit 4-Bett-Abteilen und Wagons der 1. Klasse mit 2-Bett-Abtei­len.

In Jerewan gibt es zwei Bahnhöfe. Der Zug nach Tiflis fährt von der Sasuntsi Davit Station ab, die mit der Metro leicht zu erreichen ist. Der zusätzliche Sommerzug aus Georgien startet ab Makhindjauri Station in Batumi – in diesem Fall ist Tiflis eine Zwischenstation. Der Bahnhof in Tiflis heißt Vakzlis Moedani und ist ebenso leicht mit dem Metro zu erreichen.

Reisesicherheit in Kaukasus

Die Kaukasus Länder (Armenien, Georgien und Aserbai­dschan) gehören zu den sichersten Ländern der Welt. Die Kri­minalitätsraten sind sehr niedrig im internationalen Vergleich. Im gesamten Kaukasus werden die Menschen von Reisenden als sehr gastfreundlich und offen beschrieben. Der gesunde Menschenverstand sollte aber genauso hier, wie auch Zuhause jedem der untrennbare Begleiter sein.

Obwohl der Kaukasus geografisch einheitlich aussieht, ist die­se Region ethnisch, religiös, politisch und kulturell dennoch sehr unterschiedlich. Alle Reisende sollen sich daher an ein paar Regeln halten. Man soll sich auf jeden Fall des großen Unterschieds zwischen der ländlichen Regionen und der Groß­städten bewusst sein. Auf dem Land, besonders in den Bergre­gionen leben die Menschen immer noch sehr traditionell. Kurze Shorts sind dort z.B. für Männer unangemessen. Große Städte wurden stark durch Sowjetunion beeinflusst. Die Menschen kleiden sich hier eher „europäisch“ und es muss nicht auf die Kleidung allzu sehr geachtet werden. Frauen sollen sich aber in Gesamtkaukasus möglichst gewagt kleiden.

Zu beachten ist außerdem die spezifische politische Situation in manchen Regionen:

Armenien: Nordkarabach – Auswärtiges Amt rät von Reisen in diese Region ab, da sie von Deutschland nicht anerkannt ist. Zu beachten ist außerdem, dass bei Vorlage eines Passes mit Einreisestempel der sogenannten „Republik Bergkarabach” die Einreise nach Aserbaidschan verweigert wird!

Georgien: die an der russischen Grenze gelegenen Konfliktge­biete Abchasien und Südossetien gelten ebenfalls als unsicher. Die russisch-georgische Grenze darf in diesen Regionen nicht überschritten werden.

Aserbaidschan: auch hier wird von Reisen in die Konfliktregi­on Bergkarabach gewarnt. Alle Grenzübergänge zwischen Ar­menien und Aserbaidschan sind geschlossen.

Alleinreisende Frauen in Kaukasus

Einige Frauen machen es. Manche haben es vor. Viele haben Angst davor. Auch wenn das für viele unglaubwürdig klingt, ver­reisen in Wirklichkeit Frauen häufiger alleine als Männer. Das trifft natürlich nicht für alle Länder zu.

Als alleine reisende Frau fragt man sich oft, ob nicht schon mal das Alleineunterwegssein als Frau in dem fremden zu berei­senden Land gefährlich ist. Auch unsere Umgebung, unsere Freunde und unsere Familien tragen (wenn auch ungewollt) dazu bei, dass man sich einfach nicht traut. Hinter der Empö­rung „Was? Du willst, als Frau alleine nach Armenien reisen? Das ist doch viel zu gefähr­lich!“ verstecken sich meist Unwis­sen und Vorurteile über eine Weltregion sowie darüber, was Frauen al­les nicht können. In der Regel ist diese Befürchtung unbegrün­det, es reichen allgemeine Vorsicht, gesunder Men­schenverstand sowie Beachtung der all­gemein in jedem Land geltenden Regeln und Hinweise/Ratschläge für alleine reisende Frauen.

Das Alleinreisen als Frau hat auch gewisse Vorteile für das weitere Leben, da man Vieles dabei lernt. Man entwickelt eine Zuver­sicht, dass alles gut wird, man lernt, seinen Gefühlen zu vertrauen und begreift, dass unerwartete Situationen im Leben dazuge­hören. Häufig ist es außerdem unterwegs nicht von Nach­teil, sondern von Vorteil, eine Frau zu sein – die männli­chen Touris­ten werden bei ihrer Reise häufiger kontrolliert.

Dennoch sollte man sich als alleine reisende Frau vor der Rei­se mit der allgemeinen Frauensituation, mit den lokalen Gege­benheiten und eventuellen Besonderheiten in dem zu bereisen­den Land beschäftigen, um sich über diese Klarheit und Be­wusstsein zu verschaffen und gegebenenfalls ungewollte Kom­plikationen vor Ort zu vermeiden. Auch gewisse Vorsichtsmaß­nahmen sind unverzichtbar. Wer in ländlichere Regionen reisen möchte, sollte möglichst auch die Landessprache können. In den großen Städten kommt man dagegen oft mit Englisch oder manchmal sogar mit Deutsch wei­ter. Dabei ist die Gastfreund­lichkeit in allen drei Län­dern des Kaukasus meist auch ohne Kenntnisse der jeweiligen Landesspra­che zu verstehen.

Alleine reisende Frauen halten sich gewöhnlich an andere Frauen. Sie setzten sich neben sie im Bus, fragen sie nach dem Weg und passen sich dem Kleidungstil des Landes an, um so nicht unnötig aufzufallen. Frauen sollen sich aber in Ge­samtkaukasus möglichst gewagt kleiden. Manchmal hilft auch ein „Ehe­ring“ weiter, um ungewollten Gesprächen mit Männern aus dem Weg zu ge­hen. Und man kann als Frau immer auf die Hil­fe anderer Frau­en zählen.

Als Frau alleine zu reisen bedeutet auch, den Reise­plan so zu gestalten, dass man am Bahnhof oder Flughafen möglichst bei Ta­geslicht ankommt. Auch wenn sie das erste Mal an einem Ort sind, verhalten sich alleine reisende Frauen oft so, als wür­den sie diese Gegend schon lange kennen. So schützen sie sich gut vor Dieben und anderen unerwünschten Personen.

Frauen wird in Gesamtkaukasus davon abgeraten, mit heimi­schen Männern Alkohol zu trinken (beson­ders in großen Men­gen), da es falsch verstanden werden könn­te – dies gilt insbe­sondere für Georgien.

Und wer sich am Ende nicht so leicht abschrecken lässt und ins Unbekannte aufbricht, wer die Herausforderung annimmt, wird be­lohnt werden und erhält Einblick in faszinierende Länder und Kulturen. Zu dem gehört sicherlich die religiöse Prägung und die Faszination einer religiösen Tradition, die Frauen abschre­cken mag. Dabei kann gerade, wer als Frau alleine unter­wegs ist, einen Einblick in die lokale Kultur gewinnen, der von ver­breiteten Vorurteilen abweicht. Weil alleine ist man in Kaukasus fast nie, da man an­deren Reisenden und vor allem aber Einhei­mischen begegnet, die z.B. ihre liebsten Produkte auf dem Ba­sar zeigen und die einen nach seinem Herkunftsland befragen. Nur sind es keine Freunde von Zuhause, die einen begleiten. Dar­über hinaus erlebt man al­leine viel intensiver als zu zweit.

Es lässt sich natürlich nicht vermeiden, dass man in Situation gerät, auf die sogar ein Sprachkurs nicht vorbereitet und die man al­leine bewältigen muss. Alleine Reisen kostet auf jeden Fall Überwindung. Deshalb soll die Entscheidung, als Frau al­leine in frem­de Länder aufzubrechen rein Ihre bewusste Ent­scheidung sein.

Bahnreisen in Kaukasus - alle Informationen als PDF

 


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