Die Baikalbahn

Der große Baikalsee wurde ursprünglich als eine große Hürde für einen konstanten Transport gesehen. Das Ziel war es also, die zwei durch den Baikalsee getrennten Teile der Transsibirischen Eisenbahn zu verbinden. Eine aus der wirtschaftlichen Sicht bedeutende Aufgabe war es, den Baikalsee mit der Amur zu verbinden.

Fährschiffe und Eisbrecher „Baikal” und „Angara”

Man entschied sich anfangs für einen Wassertransfer und ließ 1990 im englischen Glasgow zwei große Fährschiffe bauen. Anschließend wurden die in Schottland erbauten Schiffe zusammengelegt und nach Sibirien transportiert. Sie bekamen später die Namen „Baikal” und „Angara” (vom Namen des einzigen Abflusses des Baikalsees, der Irkutsk mit Listwianka verbindet). Beide Schiffe sollten im Winter als Eisbrecher benutzt werden. Bei der Weltausstellung 1990 in Paris hat Russland seine neue Bahnstrecke ganz stolz präsentiert.

Das Schiff „Baikal“ konnte damals 200 Passagiere, 25 Eisenbahnwaggons und 750 Tonen Ladung transportieren. Mit dem etwas kleineren Schiff „Angara“ konnten bis zum gegenübergelegenen Ufer des Baikalsees im Ort Tanchoj oder Mysowsk (Station Mysowaja) 150 Passagiere transportiert werden. Dort wartete schon auf die Passagiere der Zug. Dank dessen wurden die kleinen und bisher unbedeutenden Orte zu den regionalen Wirtschaftszentren. Von den beiden Schiffen kann heute nur noch der kleinere „Angara“ in Irkutsk bewundert werden.

Eisenbahnlinie - die berühmte Baikalbahn

Der Wassertransport erwies sich jedoch als sehr langsam und unzuverlässig, insbesondere in den Wintermonaten von Januar bis April. Nach dem Krieg mit Japan gewann außerdem ein schneller und freier Transfer der Ware und der Menschentransport an Bedeutung. So wurde in den Jahren 1902 bis 1905 die am Ufer des Baikalsees führende Eisenbahnlinie (die Baikalbahn) erbaut. Auf Grund der gespannten Lage im Fernen Osten wurden die Bauarbeiten beschleunigt und schnell zu Ende gebracht. Angesichts des Krieges mit Japan wurde diese Strecke gleich nach der Fertigstellung ausschließlich für Militärtransporte benutzt. Erst später im Jahre 1905 verkehrten hier auch Passagierzüge.

Die Eisenbahnlinie der Baikalbahn ist 260 km lang und gilt landschaftlich als der schönste Abschnitt der Transsibirischen Eisenbahn. Kein Wunder – sie führt am Ufer des Baikalsees und dank vielen Krümmungen sind tolle Fotos des Baikalsses in Verbindung mit der Zugfahrt möglich. Im Moment wird die Aufnahme dieser Bahnlinie in die Liste des Welterbes der UNESCO überlegt.

Während des Baus war es einer der schwierigsten und aufwendigsten Abschnitte der Transsib. Nur etwa 1/7 der Strecke war dafür geeignet, die Schienen auf einem Damm zu legen. Um genug Platz für zwei Gleise zu gewinnen, mussten die steilen Ufer mit Felsen gesprengt, zahlreiche Brücken über sehr viele in den Baikal strömende Bäche und kleine Flüsse sowie insgesamt 33 Tunnels gebaut werden. Für den Tunnelbau benutzte man durchschnittlich einen Waggon Sprengstoff für jeden Kilometer Schienen. Der Bau nahm den größten Teil des für ihn geplanten Budgets in Anspruch. Der aufwendigste Abschnitt der Baikalbahn führte von Port Baikal bis nach Sludianka entlang des Seeufers.

Ein sehr großes Verdienst der Bauingenieure war auch, die neue Eisenbahnlinie möglichst harmonisch an die natürliche Landschaft anzupassen.

Krugobaikalka

Etwa 50 Jahre später entstand in Irkutsk das Wasserkraftwerk. Gleich danach wurde zwischen Irkutsk und Sljudjanka eine andere Eisenbahnlinie gebaut. Somit fährt heute die Linienbahn am Baikalseeufer eine neue Strecke. Der Abschnitt zwischen Irkutsk und Port Baikal ist im Wasser des Stausees untergegangen. Der kurze Abschnitt zwischen Port Baikal und Sludianka wurde jedoch den Touristen zugänglich gemacht. Durch die sehenswerten Tunnels fährt jetzt 4x pro Woche (Mi, Do, Sa und So) ein Touristenzug (berühmte Krugobaikalka).

 


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