Baikalsee - Perle Sibiriens

Er hat zahlreiche Schriftsteller inspiriert. Legenden und Märchen ranken sich um ihn. Seine Größe und Reinheit machen alle fassungslos. Die an seinem Ufer lebenden Völker verehrten ihn schon immer als Gottheit. Keine Bezeichnung und auch keine der ihn auszeichnenden Superlative können die von ihm ausgehende Faszination jedoch wirklich wiedergeben.

Der Baikalsee (rus. Озеро Байкал) entstand vor 25 Millionen Jahren. Es ist der älteste und mit 1.625 Metern auch der tiefste See der Erde. Auf Burjatisch bedeutet sein Name „reicher See“. Die Russen nennen ihn heute die Perle Sibiriens. Mit 728 km Länge und 20 bis 80 km Breite ist der Baikalsee einfach riesig. Seine Uferlänge beträgt 2.125 km. Ein Fünftel aller Süßwasserreserven der Erde befinden sich hier. Der See hat ein Volumen von 23.000 km³, welches somit größer als das der Ostsee ist.

Das Wasser ermöglicht in den Sommermonaten bis zu 40 Metern Tiefe Sicht. Es ist wohl der einzige größere See weltweit, dessen Wasser Trinkwasserqualität besitzt. Für die einzigartige Reinheit des Baikalsees sorgen ca. 230 winzige Krebsarten, die von der Alge bis zum toten Bären alle organischen Verschmutzungen vertilgen (darunter ein winziger Krebs, der Baikal-Epischura, der nur anderthalb Millimeter lang ist und die kleinsten Algen und Bakterien vertilgt). Der Baikalsee erweitert und vertieft sich um jeweils ca. 2 cm pro Jahr. Einige Wissenschaftler vermuten, dass hier heimlich ein neuer Ozean entsteht.

All dies hat bis heute nicht dazu geführt, dass Millionen Touristen an den Baikalsee strömen. Zum Teil liegt das sicherlich an der immer noch sehr schlechten Infrastruktur (es gibt nur wenige asphaltierte Straßen, nicht immer Strom und Telefon). Teilweise haben aber auch die politischen Verhältnisse in der Sowjetunion bzw. nun in Russland dazu beigetragen.

Baikalsee während einer Reise mit der Transsib

Der Baikalsee ist sehr gut von der Bahnlinie der Transsib zu erreichen. Die nächstgelegene Großstadt zum Baikalsee ist das ca. 575.000 Einwohner zählende Irkutsk – eine der wichtigsten Stationen der Transsibirischen Eisenbahn. Hier, in Irkutsk steigen die meisten Touristen aus, die während ihrer Transsib-Reise einen Aufenthalt am Baikalsee eingeplant haben. Listwianka - ein Touristenort direkt am Baikalsee, ist nur 66 km von Irkutsk entfernt. Die meisten Transsibzüge kommen in Irkutsk am frühen Morgen an. Tägliche Busverbindung zwischen Irkutsk und Listwianka ermöglicht vielen, noch an demselben Tag am Abend in den Transsibzug nach Ulan Bator einzusteigen.

Von Irkutsk nach Listwianka können Sie auch mit der Fähre entlang der Angara fahren. Die Fahrt dauert ca. 1,5 Stunden und ist im Sommer eine große Attraktion. Ein Ticket kostet 20 EUR pro Person und Strecke und kann bequem bei uns gebucht werden. Mit dem Ticket erhalten Sie auch eine Wegbeschreibung zum Hafen.

150 km östlich des Seeufers liegt Ulan Ude – die zweitgrößte Stadt nahe dem Baikalsee. Von Irkutsk kann man nach Ulan Ude täglich mit einem Nachtzug gelangen (Abfahrt ca. 20:30 Uhr Ortszeit, Ankunft um ca. 08:00 Uhr Ortszeit am nächsten Tag). In Irkutsk und Ulan Ude liegen auch die nächsten Flughäfen.

Am Nordufer des Baikalsees fährt die berühmte Baikal-Amur-Magistrale (BAM). Ein Zwischenstopp am Baikalsee ist in Sewerobaikalsk möglich.

Das Klima am Baikalsee

Der Sommer ist zwar kurz (Juli/August), dafür aber sonnenreich. Es herrscht ein Kontinentalklima mit jährlich rund 2.000 Sonnenstunden - nur etwas weniger als in Kalifornien! Der Dezember ist der sonnenärmste Monat und der Juni mit 275 Sonnenstunden der sonnenreichste Monat. Leider sind die Sommer auch niederschlagreich. Der niederschlagsreichste Monat ist der Juli. Die Insel Olchon hat dafür äußerst wenig Niederschlag, in etwa 200 mm im Jahr.

Im Sommer ist die Mitnahme von Mückenmittel am gesamten Baikalufer zu empfehlen. Die Tagestemperaturen liegen im Sommer oft über 20 Grad. Wegen der enormen Wassermenge des Sees steigt die Wassertemperatur selbst im Juli und August kaum über 10 °C und macht den See deshalb nur an sehr wenigen und flachen Stellen badetauglich. Im Juni ist das Wasser noch eiskalt.

Die Winter sind trocken und kalt. Die Durchschnittstemperatur beträgt -20 Grad, es muss aber auch mit extremen Temperaturen von bis zu -40 Grad gerechnet werden. Die Wasseroberfläche ist im Winter von Mitte November bis Anfang Mai komplett zugefroren und zwischen Januar und Mai sogar für große und schwere Lastwagen befahrbar. Der Schnee in den Tälern liegt von Mitte November bis Anfang April. Der Frühling (April/Mai) und der Herbst (September/Oktober) sind mit jeweils nur 2 Monaten sehr kurz. Nachtfrost ist bis in den Juni hinein und dann bereits wieder ab Ende August möglich.

Das Wetter am Baikalsee ist grundsätzlich sehr wechselhaft, so dass man eine Regenbekleidung immer griffbereit haben sollte. Wegen der kalten Winde aus dem Norden ist ein Pullover nie fehl am Platz. Für den ersten Besuch ist sicherlich der Sommer die beste Reisezeit. Dabei entgehen einem jedoch die herrlichen blühenden Wiesen im Frühjahr, die grandiose Laubfärbung der sibirischen Birke im Herbst und das bewegende Gefühl, über das glasklare, meterdicke Eis des Sees im Winter zu wandern. Deshalb lohnt sich sicherlich, den See nicht nur einmal im Leben zu besuchen.

Flora und Fauna

Am Baikalsee findet man unter anderem Luchse, Bären, Hirsche und Wölfe. Ca. 600 Pflanzenarten und ca. 1.000 Tierarten kommen nur hier, im Baikalsee vor, sonst nirgendwo auf der Welt. Die Baikalrobbe ist eine der zwei Süßwasserrobbenarten der Welt. Wie diese Robben, die aus dem Nördlichen Polarmeer hierher gelangten, die Anpassung an das Süßwasser vollzogen haben, bleibt bis heute unklar.

Der schmackhafte Omul - eine Lachsart und die fettreiche Golomjanka gehören zu den seltenen Fischarten im Baikalsee. In Listwianka und auf der Insel Olchon gehört der geräucherte Omul zu den Empfehlungen der meisten Reiseführer. Golomjanka ist der am tiefsten lebende Süßwasserfisch der Erde.

Listwianka

Der kleine Ort Listwianka liegt direkt am Baikalsee und ist ca. 65 km von Irkutsk entfernt. Es ist einer der am schnellsten und einfachsten von der Station der Transsibirischen Eisenbahn Irkutsk erreichbaren Orte am Baikalsee. Seine Lage an der Stelle, wo Angara als einziger Fluss dem Baikalsee entspringt, macht ihn auch zu den schönsten Dörfer an der Westküste des Baikalsees. Dadurch ist Listwianka seit ein paar Jahren gleichzeitig auch der meist besuchte Ort am Baikalsee. Das hat die Folge, dass hier in den letzten Jahren viele Privathotels erbaut und eine ziemlich gute Infrastruktur geschaffen wurde.

Listwianka entstand 1773 als eine Poststelle. Der Name Listwianka kommt von den zahlreichen Lärchen, die in der Gegend wachsen (rus. лиственниса = Lärche).

In Listwianka können Sie einen Aufstieg auf den Tscherski–Stein unternehmen, einen Aussichtspunkt 300 m über dem Seespiegel. Von da aus bietet sich ein wunderschöner Panoramablick über den Baikal und die Angara. Bei guter Sicht sieht man auch das Chamar–Daban Gebirge, das das Südufer des Sees bildet. Es besteht auch die Möglichkeit, russische Banja (heißes Dampfbad) zu genießen und die berühmte Listwianka-Spezialität – geräucherten Omul zum Abendessen zu probieren. Es gibt in Listwianka außerdem eine Tauchschule, die eine komplette Ausrüstung und Tauchstunden anbietet. Allerdings ist es für Inhaber eines Tauchzertifikats am günstigsten.

Wer viele interessante Fakten über den Baikalsee erfahren möchte, soll unbedingt das Baikalische Limnologische Museum in Listwjanka besuchen. Dort lernt man seine Entstehungsgeschichte, die einzigartige Tier– und Pflanzenwelt, und die Menschen kennen, die an seinen Ufern wohnen. Man erfährt auch Einiges über weitere Entwicklungsperspektiven der Region. Der Besuch des Museums ist jedem zu empfehlen und soll bei einem Aufenthalt in Listwianka auf keinen Fall fehlen.

Listwianka ist auch ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen und Seeexkursionen, darunter mehrtägige Kreuzfahrten sowie für den interessanten Tagesausflug mit der Krugobaikalka - der alten Strecke der Baikalbahn. Aufgrund der gut ausgebauten asphaltierten Straße von Irkutsk bietet sich Listwianka auch für alle an, die nur wenig Zeit für einen Besuch des Baikalsees eingeplant haben. Die Busfahrt von Irkutsk dauert etwa 1,5 Stunden, die Linientaxis brauchen nur eine Stunde bis nach Listwianka. Man kann sogar mit einem Raketa (Fährschiff) von Irkutsk nach Listwianka fahren. Nähere Infos – siehe unten bei Anreise.

Allerdings wer mehr Zeit für den Besuch des Baikalsees eingeplant hat, kann auf Listwianka ruhig verzichten und an einen mehr attraktiven und entspannten Ort fahren. Zu empfehlen ist vor allem die ca. 350 km von Irkutsk entfernte Insel Olchon, die mit einem Bus innerhalb von ca. 7 Stunden erreichbar ist. Es muss beachtet werden, dass Listwianka im Moment von einer wahren Bauwut geprägt ist und eher wenig mit einem ruhigen Örtchen am Baikalsee zu tun hat. Es entstehen viele kleine Paläste als Ferienhäuser sowie neue Hotels und Restaurants. Viele reiche Russen und Westeuropäer investieren hier. Alles erinnert wahrscheinlich bald eher an einen westeuropäischen Kurort als an einen idyllischen Ort am Baikalsee.

Süd-Westküste von Listwianka bis zur Insel Olchon

Der Abschnitt der Küste von Listwianka bis zur Insel Olchon ist zwar touristisch recht gut erschlossen. Zugleich werden vor allem die etwas weiter nördlich gelegenen Abschnitte von den Touristen immer noch selten besucht. Die Hauptorte Listwianka, Bolschije Koty und die schöne Sandbucht (Buchta Peschanaja) sind in den Sommermonaten von Irkutsk aus auf dem Wasserweg mit einem Raketa (Tragflächenboot) erreichbar. Nach Bolschoje Goloustnoje und Buguldeika führen dagegen nur schmale Stichstraßen.

Am einfachsten ist es, diese Region zu Fuss kennen zu lernen. Vor allem die kritischen südlichen Abschnitte wurden in den letzten Jahren im Rahmen des Great Baikal Trail Projektes ausgebaut, so dass der Weg jetzt durchgängig begehbar ist. Lediglich einige der archäologisch interessanten Orten, wie die Felsmalerein in der Bucht Sagan Saba oder so herrliche Abschnitte wie in der Bucht Aja sind nur mit Hilfe Einheimischer oder bei organisierten Touren zu entdecken.

Das Freilichtmuseum der Sibirischen Holzbaukunst in Taltsy

Es befinden sich hier alte Bauten aus ganz Ostsibirien. Man findet hier originale Wohnhäuser von früheren Dorfbewohnern, eine Festungsmauer, eine winzige Kapelle, eine Wassermühle, eine Dorfschule und einen Gasthof. Sehenswert ist die Jurte eines jungen Schamanen. Außerdem gib es hier einen burjatischen Ulus (Siedlung) mit einigen Jurten, die auch wie die anderen Wohnhäuser innen so ausgestattet sind, wie vor Jahrhunderten. Man hat den Eindruck, als wäre man mit einer Zeitmaschine Hunderte von Jahren zurück gereist. Die schöne Lage des “Dorfes” im Wald am Ufer der Angara macht die Besichtigung zu einem echten Genuss.

Nord-Westküste, das Baikalgebirge

Im Nord-Westen des Baikalsees befindet sich das Baikalgebirge, dessen Hauptkamm mit Höhen von über 2000 m in unmittelbarer Nähe der Uferlinie verläuft. Hier ist der Baikalsee sehr schwer zu erreichen und seine Küste kaum besiedelt. Es lockt deshalb insbesondere viele Naturfreunde und Abenteuerwanderer. Für Wandertouren wird allerdings auch hier eine Erlaubnis des Baikalo-Lenskij-Schutzgebietes benötigt. Es sind aber auch hier Faltboottouren und Schiffsfahrten möglich, die mit Abstechern ins Gebirge verbunden werden können. Auf Anfrage sind auch organisierte Trekkingtouren vom Ufer des Baikal bis zu der Quelle der Lena – eines der größten Flüsse der Erde.

Nord-Ostküste

Die Nord-Ostküste steht unter Schutz und eignet sich am besten für Schiffstouren oder längere Touren mit einem Faltboot. Diese bieten wir Ihnen gerne an. Hier ist zu beachten, dass der Besuch nur mit einer Erlaubnis möglich. Die Nord-Ostküste ist dabei ein recht wildes und großes Gebiet (rund 300 km Küste) ohne Siedlungen. Es gibt außerdem viele Bäche und Flüsse, die zu überqueren sind, wodurch das Wandern erschwert wird. Insbesondere während der Regenzeit können sie schnell zu seriösen Hindernissen werden.

Die größten Flüsse: Angara, Selenga, Barguzin

Der Baikalsee nimmt ca. 365 Flüsse und Bäche auf, wovon die zwei größten die Selenga und der Barguzin sind. An der Selenga liegt Ulan Ude. Der einzige Abfluss des Baikalsees, die Angara, entwindet sich dem See mit solcher Kraft, dass ihr Wasser sogar in den strengsten Wintermonaten erst ab dem 15. Kilometer gefriert. Trotz ihrer gewaltigen Abflussmenge müsste die Angara etwa 400 Jahre lang fließen, bis der Baikalsee geleert wäre. Sie fließt über den Jenissei in die Karasee des Polarmeeres. An der Angara, ca. 68 km vom Baikalufer liegt Irkutsk.

Halbinsel Swjatoi Nos

Swjatoi Nos ist die größte Halbinsel des Baikalsees. Wörtlich übersetzt heißt Swjatoi Nos „Heilige Nase“, wobei „Nos“ im Russischen häufig für Landspitzen und Kaps benutzt wird. Die Halbinsel liegt liegt an der Ostküste des Baikalsees. Auf der Halbinsel gibt es einen mit dichter Taiga bedeckten Gebirgskamm. Interessant für Trekker, Faltbootfahrer und Angler sind zwei Meeresbusen – der Tschiwyrkujskij und der Barguzinskij, die jeweils nördlicher und südlicher dieses Landstreifens liegen.

Naturschutzgebiete am Baikalsee

Die gesamte Umgebung des Sees wurde 1996 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Der gesamte Küstenstreifen des Baikalsees steht unter Schutz. Der See ist von zahlreichen Naturschutzgebieten und teils auch Nationalparks umgeben, u.a. von dem Baikal-Naturreservat, dem Bargusin-Naturreservat , dem Lena-Naturreservat, dem Cisbaikal-Nationalpark und dem Transbaikal-Nationalpark.

Baikalsee - Anreise

Der Baikalsee ist am schnellsten von Irkutsk aus zu erreichen. Der erste Ort direkt am Baikalsee heißt Listwianka und ist entweder mit einem Linienbus, einem Linientaxi oder mit einer Fähre entlang der Angara zu erreichen. Gerne sind wir Ihnen bei der Reiseplanung und Besorgung der Fährtickets behilflich. Ein Fährticket kostet 25 EUR pro Person und Strecke. Linientaxis können nur vor Ort direkt vor der Abfahrt gebucht werden. Gerne organisieren wir für Sie einen Transfer von Irkutsk nach Listwianka sowie den Rücktransfer. Der Preis ist von der Personenzahl abhängig:
1 Person: 90 EUR
2 Personen: 45 EUR pro Person
3 Personen: 35 EUR pro Person
4 Personen: 29 EUR pro Person
6 Personen: 25 EUR pro Person
ab 10 Personen: 20 EUR pro Person

In den Sommermonaten Juli und August fährt von Irkutsk über Port Baikal, Insel Olchon und Sewerobaikalsk nach Nizhneangarsk zweimal pro Woche (Di und Fr) ein Linienschiff "Raketa". Abfahrt von Irkutsk um ca. 08:30 Uhr, Ankunft in Port Baikal um ca. 10:00 Uhr, auf Olchon um ca. 14:00 Uhr, in Sewerobaikalsk um ca. 20:00 Uhr. Das Schiff kommt in Nizhneangarsk um ca. 21:00 Uhr an. Manchmal muss in Port Baikal umgestiegen werden. Die Rückfahrt ist mittwochs und samstags möglich: Abfahrt von Nizhneangarsk um ca. 07:30 Uhr, Ankunft in Sewerobaikalsk um ca. 08:00 Uhr, auf Olchon um ca. 14:30 Uhr, in Port Baikal um ca. 18:30 Uhr und in Irkutsk um ca. 20:00 Uhr.

Gerne sind wir Ihnen bei der Besorgung der Fährtickets behilflich. Ein Fährticket von Irkutsk kostet:
nach Olchon: 77 EUR pro Person und Strecke
nach Sewerobaikalsk: 90 EUR pro Person und Strecke
nach Nizhneangarsk: 90 EUR pro Person und Strecke

Wir freuen uns auf Ihre Anfrage.

 


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