Baikal-Amur-Magistrale (BAM)

BAM - eines der größten und schwierigsten Eisenbahnprojekte der letzten 100 Jahre

Die in den 1970er und 1980er Jahren überwiegend eingleisig gebaute Baikal-Amur-Magistrale wurde vor allem aus militärstrategischen Gründen mit Wladiwostok verbunden – die Nähe des Ostabschnittes der Transsib zur chinesischen Grenze wurde damals als potentielle Gefährdung angesehen. Im Osten wurde die BAM sogar in Sowetskaja Gawan an die Pazifikküste und die strategisch sehr wichtige Insel Sachalin angeschlossen, was bereits zu der Stalin-Zeit als strategisch sehr sinnvoll angesehen wurde. Das Ziel des Baus war aber nicht nur die Entlastung der Transsibirische Eisenbahn bei Grenzkonfliktenmit China, sondern auch die demografische und wirtschaftliche Erschließung einer bisher fast unerschlossenen Region sowie die Verbesserung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem Osten und dem Westen des Landes, vor allem aber mit Japan.

Die BAM war somit das letzte große Prestige– und Propaganda-Projekt der Sowjetära. Die Bewohner der Strecke sollen nach dem Plan die gewaltigen Erz- und Kohlevorkommen Zentralsibiriens erschließen. Doch im heutigen Russland fehlt es an Geld und Investoren, die sich an die Rohstofflager heranwagen. Viele ehemalige Bauarbeiter sind nach dem Bau Mitarbeiter der russischen Eisenbahn geworden, viele haben nach der Fertigstellung der BAM aber keinen neuen Arbeitsplatz gefunden und schlagen sich heute mühsam durchs Leben. Seit Mitte der 1980er Jahre wird die BAM als Fehlinvestition angesehen, da die militärischen und vor allem aber die ökonomischen Gründe für den teuren Bau seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr zutreffen. Die großen zuvor geplanten Bergbau- und Industrieobjekte im Einzugsgebiet der BAM wurden nicht mehr errichtet, wonach die Strecke nur schwach ausgelastet ist. Viele befürchten oder sogar fordern die Stilllegung der BAM. Somit laden wir Sie herzlich dazu ein, die Strecke zu beleben und/oder (wer weiß) vielleicht eines der letzten Male zu erleben!

Landschaftlich ist die BAM eine reizvolle Angelegenheit – die etwa 9.500 km lange und wegen des Dauerfrostboden und vergletscherter Gebirgszüge sehr komplizierte Bahnstrecke führt durch endlose Sümpfe und Rentierweiden, zahlreiche Flüsse und Tunnels, darunter durch den längsten Tunnel Russlands – den Seweromuisker Tunnel, der erst Ende 2003 für den regulären Betrieb eingeweiht wurde und über 15 km lang ist. Sie fahren mit Linienzügen der BAM durch Sibirien, die russische Republik Burjatien, durch Jakutien – das Land der Rentierhirte und den russischen Fernen Osten mit dem Sibirischen Gebirge, durch Bergtundra mit alpinen Matten und Heiden und durch die bevölkerungsärmste Region Russlands. Dank der zahlreichen Krümmungen und der hügeligen Landschaften kann der Zug aus dem Fester fotografiert werden.

 


<- Zurück