Bahnreisen in Zentralasien entlang der alten Seidenstraße: Kasachstan und Usbekistan

Die Pracht der Seidenstraße

Die Seidenstraße gilt als eine der ältesten Handelsrouten der Welt. Tausende von Kilometern lang war dieses Karawanen­wegnetz, das schon in antiken Zeiten Mittelmeer mit Zentralasi­en und China verband. Die Route der Seidenstraße nahm ihren Ursprung in der chinesischen Stadt Xi'an, führte durch Wüsten, Oasen und schneebedecktes Gebirge zum Schwarzen Meer und nach Rom. Die Seidenstraße diente nicht nur dem Warenaustausch, sondern wurde mit der Zeit auch zu einer wichtigen Kreuzung, wo sich die großen Zivilisationen trafen. Kamele transportieren auf der Seidenstraße nicht nur Seide, Gewürze und Juwelen. Neben Händlern zogen da auch Missionare und Pilger und trieben die Verbreitung der Religionen und Kulturen. Hier trafen zwei verschiedene Zivilisationen aufeinander – der Osten und der Westen – mit ihren ganz besonderen Kulturtradi­tionen, Religionen, wissenschaftlichen und technischen Errun­genschaften.

Die ganze Strecke von China nach Rom in beiden Richtungen zu bewältigen, dauerte damals sechs bis acht Jahre, was zur besonderen Entwicklung der Städte in Zentralasien beitrug. Die Pracht des antiken Karawanenwegnetzes wurde im größ­ten Teil unter dem Sand der Wüsten begraben. Nur wenige Strecken wurden für Touristen rekonstruiert.

Bahnreisen in Zentralasien

Der überwiegende Teil des zentralasiatischen Eisenbahnnet­zes stammt aus der sowjetischen Zeit. In manchen Ländern der Region (wie Usbekistan und Kasachstan) wird gerade die­ser Teil der Infrastruktur am meisten gefordert. Die sowjeti­schen Züge werden modernisiert und die neuen komfortablen Schnellzüge fahren bereits auf den wichtigsten Strecken.

Seidenstraße mit dem Zug bereisen

Der Mythos der Seidenstraße zieht bis heute all diejenigen an, die die märchenhaften abgelegenen Regionen entdecken wol­len. Auf der Seidenstraße unterwegs zu sein, ist heute leichter denn je. Statt auf dem Kamel, ist die Strecke heutzutage in we­nigen Tagen mit dem Zug zu bewältigen. Auch wenn es keine durchgehenden Züge und keine zeitlich gut abgestimmten Um­steigeverbindungen gibt, besteht auf der gesamten Strecke eine lückenlose Eisenbahnverbindung – die letzte Lücke wurde im Jahre 1992 zwischen Almaty (Kasachstan) und Ürümtschi (China) geschlossen. So kann man sich jetzt eine sichere und bequeme Reise mit dem Zug entlang der Alten Seidenstraße gönnen.

Kasachische Eisenbahn (Қазақстан Темiр Жолы - ҚТЖ)

Bahnreisen in Kasachstan gilt zur Zeit immer noch als Geheim­tipp für westliche Touristen. Das kasachische Bahnnetz ist sehr gut durch Russland und Ukraine mit Westeuropa und direkt mit China sowie mit anderen Ländern Mittelasiens verbunden. Um­fangreiche Investitionen in die Modernisierung der Eisenbahn­strecken und Bahnhöfe machen die Reise komfortabel und an­genehm. Die riesigen Entfernungen zwischen großen Städten Kasachstans mit dem Zug zu bewältigen bedeutet für die Rei­senden ein authentisches Erlebnis, das Land nah an Land und Leuten zu erkunden, die weiten Steppen und die glanzvolle Ar­chitektur der Seidenstraße kennenzulernen.

Fernzüge in Kasachstan

Hinsichtlich Waggonausstattung, Zugklassen und Fahrkarten­reservierung ist die kasachische Bahn der russischen sehr ähnlich. An jedem Waggonende befindet sich je eine Toilette. In jedem Waggon steht außerdem ein Samowar mit jederzeit verfügbaren heißem Wasser. In den Fernzügen gibt es meis­tens einen Speisewagen. Die Restaurants werden allerdings von den einheimischen Reisenden sehr selten benutzt. An den Bahnsteigen auf fast jeder Station gibt es die Möglichkeit, frisch zubereitetes Essen zu kaufen.

In Fernzügen werden folgende Preisklassen angeboten:

1. Klasse (Spalny) = Schlafwagen, abschließbare 2-Bett-Abteile:

2. Klasse (Kupeiny)= Schlafwagen, abschließbare 4-Bett-Abteile:

3. Klasse (Platskartny) = Großraum-Schlafwagen, 54 Betten:

Talgo-Express-Züge in Kasachstan

Die Hochgeschwindigkeitszüge verkehren zwischen Almaty und der neuen Hauptstadt Astana (Zugpaar Nr. 1/2) und seit Ende Oktober 2015 auch zwischen Astana und Atyrau (Zug­paar Nr. 19/20). Talgo-Züge zwischen Astana und Almaty verkehren täglich. Für diese etwa 1100 km lange Strecke brauchen sie 12 Stunden.

Mit Geschwindigkeit von 250 km/h sind es die schnellsten Züge in Zentralasien. Zwischen Astana und Almaty verkehren die Talgo-Züge täglich. Für diese etwa 1100 km lange Strecke brauchen sie 12 Stunden. Die Bahn gibt sich jede Mühe, die Weltstandards zu erreichen, selbst die Schaffner der Grand und Business Klasse sprechen außer Russisch und Ka­sachisch auch Englisch.

Fahrkarten für die Talgo-Express-Züge sind ebenso in drei Preisklassen erhältlich:

Grand Klasse: Luxus Klasse, jedes Abteil für 1-2 Personen ver­fügt über eigene Toilette und Dusche

Business Klasse: abschließbare 2-Bett-Abteile

Tourist Klasse: abschließbare 4-Bett-Abteile

Turkestan-Sibirische Eisenbahn (Turksib)

Diese inzwischen legendäre Strecke ist die Bahnanbindung der zentralasiatischen Länder (Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikis­tan, Turkmenistan und Usbekistan) an die Transsibirische Ei­senbahn nach Wladiwostok und Ulan Bator. Gebaut wurde die Bahnroute als ein Projekt des Fünfjahrplanes der UdSSR in den Jahren 1926 -1931. Es besteht heute eine Linienzugverbindung zwischen Almaty und Nowosibirsk und zwischen Taschkent und Jekaterinburg. Die Hinterlassenschaft der Sowjetunion wurde behalten und wartet, neu entdeckt zu werden.

Bahnfahrkarten in Kasachstan

Die Zugtickets der Kasachischen Bahn enthalten personenbe­zogene Daten. Die elektronisch gebuchten E-Tickets müssen im A4-Format (!) ausgedruckt werden. Beim Betreten des Zu­ges werden die Fahrkarten zusammen mit dem Personalaus­weis oder Pass kontrolliert. Die Bahnfahrkarten kommen genau 45 Tage vor dem Abfahrtsdatum in Verkauf.

Eisenbahn in Usbekistan

Das Eisenbahnnetz in Usbekistan deckt keinen großen Teil des Landes. Immerhin sind die beliebtesten Touristenziele leicht und bequem mit der Bahn zu erreichen. Die Usbekische Eisen­bahn ist 3400 km lang und verbindet die berühmten Städte der Seidenstraße wie Termes, Samarkand, Buchara und Nukus.

Fernzüge in Usbekistan

Die Züge entsprechen europäischen Sicherheits- und Quali­tätsstandards. Ein Speisewagen ist in Fernzügen immer vorhanden. Auf langen Strecken stehen modernisierte so­wjetische Züge mit Schlafwaggons drei Klassen zur Verfügung:

1. Klasse (Spalny) = Schlafwagen, abschließbare 2-Bett-Abteile:

2. Klasse (Kupeiny)= Schlafwagen, abschließbare 4-Bett-Abteile:

3. Klasse (Platskartny) = Großraum-Schlafwagen, 54 Betten:

Die Großraumwagen mit 81 Sitzplätzen (Obschtschi) sind eventuell auf kurzen Strecken zu empfehlen. Allerdings sind die Entfernungen zwischen den meisten Attraktionen so groß, dass diese Wagonklasse eher nicht in Frage kommt.

Hochgeschwindigkeitszüge in Usbekistan

Die Usbekische Bahn wird kontinuierlich modernisiert. Derzeit gibt es drei komfortable Hochgeschwindigkeitszüge (sog. Firmenzüge) in Usbekistan: „Afrosiyob“, „Shark“ und „Nasaf“.

Der Afrosiyob-Zug in Usbekistan

Der Afrosiyob verbindet Taschkent mit Samarkand. Die Strecke ist 344 km lang. Dieser klimatisierte Hochgeschwindigkeitszug verkehrt täglich mit einer Geschwindigkeit von 210 km/h. Die Fahrzeit (ohne Zwischenstopps) beträgt knapp über 2 Stunden. Die Ausstattung des Afrosiyobs ist sehr komfortabel. In jedem Zug gibt es außer Waggons mit Sitzplätzen auch einen Speisewagen. Die Afrasiyob-Züge haben die Nummern 159/160 und 161/162. Fahrkarten für den Afrosiyob werden in drei Preisklassen angeboten:

VIP-Klasse: Wagon mit 36 Sitzplätzen (Tische verfügbar)
Business-Klasse: Wagon mit 36 Sitzplätzen (Tische verfügbar)
Economy-Klasse: Wagon mit 36 Sitzplätzen (jeweils 4 Plätze in einer Reihe)

Der Sharq-Zug in Usbekistan

Der Sharq verbindet drei Städte in Usbekistan: Taschkent, Samarkand und Buchara, also die von den Touristen meist besuchten Stätten. Die Gesamtstrecke von 616 km wird von diesem Geschwindigkeitszug innerhalb knapper 7 Stunden zurückgelegt. Die Züge fahren täglich, sind klimatisiert und verfügen außer einem Speisewagen über 3 Waggonarten:

Schlafwaggon: Wagon mit 18 Betten
1. Klasse: Wagon mit 36 Sitzplätzen
2. Klasse: Wagon mit 56 Sitzplätzen

Der Nasaf-Zug in Usbekistan

Der Firmenzug Nasaf verbindet Taschkent und Karschi, fährt täglich, außer montags mit einer Geschwindigkeit von 140 km/h. Für die gesamte Strecke braucht er knappe 6 Stunden. Die Waggons sind ziemlich modern und klimatisiert. Ein Spei­sewagen ist in dem Zug ebenso verfügbar. Insgesamt hat der Reisende die Wahl zwischen drei Preisklassen:

Schlafwaggon: Wagon mit 18 Betten
1. Klasse: Wagon mit 39 Sitzplätzen
2. Klasse: Wagon mit 36 Sitzplätzen

Bahnfahrkarten in Usbekistan

Die Tickets für die Fernzüge können 45 Tage im Voraus gekauft werden. Eine Fahrkarte sieht sehr ähnlich aus wie eine in Russland und enthält folgende Informationen:

1. Zugnummer
2. Abreisedatum
3. Abfahrtszeit
4. Waggonnummer und Klasse (z.B. Kupe K)
5. Anzahl der Reisenden und die Art der Fahrkarte
6. Abfahrts- und Ankunftsort
7. Platznummer
8. Personenbezogene Daten des Reisenden (Reisepassnummer, Name)
9. Ticketpreis
10. Ankunftsdatum und Ankunftszeit
11. Information für Reisenden

Der Preis auf der Fahrkarte hat allerdings nichts mit dem tat­sächlichen Einkaufspreis zu tun, wenn die Fahrkarte über eine Agentur gekauft wurde. Auch für die Agenturen gelten andere Einkaufspreise, da diese die Tickets nicht am Schalter, sondern über Tarifverträge und oft über zusätzliche Bahnagenturen er­werben, womit sie für eine sichere Reservierung im Voraus mehr bezahlen müssen. Auf der Fahrkarte wird immer nur der Standardpreis für eine Strecke ausgedruckt, der beim Direkt­kauf am Schalter am Abfahrtstag gilt.

Inzwischen werden sehr oft elektronische Fahrkarten ausge­stellt. Sowohl Papiertickets als auch die elektronisch gebuchten Fahrkarten werden vor Ort gleichmäßig anerkannt.

Kirgisische Eisenbahn

Das kirgisische Eisenbahnnetz wurde vor dem Zerfall der Sowjetunion gebaut. Internationale Zugverbindungen bestehen zu Russland und Kasachstan mit dem Anschluss an Usbekistan. Es bestehen keine Bahnverbindungen zu China und Tadschikistan, allerdings sieht das Projekt „Neue Seidenstraße“ eine neue Strecke nach China vor.

Das kirgisische Eisenbahnnetz besteht aus zwei nicht miteinander verbundenen Abschnitten:

1. Von Osch bis zur Grenze zu Usbekistan (die Züge fahren nicht über die Grenze).
2. Von Bischkek bis zur Grenze zu Kasachstan und von dort nach Balykchy (Yssyk Köl See).

Die wichtigsten internationalen Bahnverbindungen bestehen dagegen mit Moskau, Jekaterinburg, Nowosibirsk und Nowokuznetsk in Russland.

Achtung! Fahrpläne werden in Kirgistan stets in Moskauer Zeit angegeben.

Reisesicherheit in Zentralasien

Die meisten Länder, die sich auf der antiken Reiseroute befin­den, sind ein sicheres Reiseziel. Dazu gehören China, Ka­sachstan, Usbekistan, Kirgistan und Turkmenistan. Individual­reisende, auch die alleine unter­wegs sind, fühlen sich dort in der Regel sehr wohl und „gut aufgenommen“. Ältere Personen genießen in den Ländern Zentralasiens großen Respekt. Es wird ihnen häufiger geholfen als wir das in Deutschland ge­wöhnt sind.

Selbstverständlich muss man auch selbst etwas einbringen – so sind zum Beispiel eigene Selbstbewusstheit (keine Arro­ganz!), Wachsamkeit, Höflichkeit, Aufgeschlossenheit und Kommunikationsfä­higkeit (auch mit Händen und Füßen) sehr hilfreich, so dass der Aufenthalt im fremden Land angenehmen und interessant zugleich ist.

Zu beachten sind außerdem die örtlichen Regeln, Vorschriften und vor allem die für jedes Land typischen und streng kontrol­lierten Verbote. Dazu gehört u.a. das Fotografierverbot, das bei als strategisch wichtig geltenden Einrichtungen besteht. Hierzu zählen die U-Bahn in Taschkent, Flughäfen, Bahnhöfe, Tun­nels, Brücken, Grenzanlagen und Grenzbefestigungen sowie andere öffentliche Gebäude.

Im Weiteren sind die üblichen Sicherheitsmaßnahmen völlig ausreichend. Dazu gehören z.B. die nachstehenden Regeln. Von Überlandreisen nach Einbruch der Dunkelheit wird gene­rell abgeraten. Es wird empfohlen, sich nachts nicht ohne Be­gleitung zu bewegen und keine „inoffiziellen“ Taxis zu benut­zen. Menschenansammlungen sind zu meiden. Auf Basaren sollte man auf Taschendiebstähle achten.

Registrierung und Passkontrollen

In jedem zentralasiatischen Land müssen die Migrationsvor­schriften beachtet werden. Die Polizei hat jederzeit das Recht, Ausländer auf der Straße anzuhalten und sie um Vorlage ihres Passes und Visums zu bitten. Reisende ohne gültigen Reise­pass können festgehalten werden. Die ausländischen Touristen sind weiterhin verpflichtet, die Registrierung (weiße Migrations­karte) mit sich zu führen. Worauf die Polizei aller­dings nicht das Recht hat, ist die Untersuchung des Taschenin­halts oder gar Abtastung während normaler Personenkontrol­len. Es wird emp­fohlen, den Pass nur wenn unbedingt erforder­lich aus den Händen zu geben, keinesfalls jedoch für einen län­geren Zeit­raum und ohne entsprechende Begründung. Achtung – die Kontrollen im Hinblick auf Verstöße gegen die Registrierungsp­flicht werden vermehrt auch bei der Ausreise durchge­führt.

Grenze zu Afghanistan

Man muss berücksichtigen, dass Turkmenistan, Us­bekistan und Tadschikistan an Afghanistan grenzen. Die Bundesregier­ung setzt sich bei der Bekämpfung von Terrorismus, Drogen­handel und religiös motivierter Radikalisierung für eine enge in­ternationale Zusammenarbeit mit den Ländern Zen­tralasiens ein. Die NATO-Mission in Afghanistan hat dazu ge­führt, dass es dort sehr wahrscheinlich keine Trainingscamps für Terroris­ten mehr gibt und die Transition zu eigenen afghani­schen Si­cherheitskapazitäten auf einem guten Weg ist. Es ist daher da­von auszugehen, dass es nach dem Rückzug der ISAF-Trup­pen nicht zu einem Sicherheitsvakuum in der Region kommt.

Reisesicherheit in Kasachstan

Kaum ein anderes Land ist momentan so zum Bereisen zu empfehlen wie Kasachstan. Die politische Lage ist stabil und das Land stellt sich immer mehr auf den Tourismus ein. Trotzdem muss man Einiges bei der Reiseplanung beachten:

Treks über die "grüne" Grenze von Almaty durch die Berge nach Kirgisistan sind seit 2011 verboten. Folgende Territorien sind zur Zeit für Ausländer unzugänglich bzw. nur mit einer speziellen Genehmigung und in Anwesen­heit einer kasachi­schen Reiseleitung zu betreten: die Siedlung Gwardejskij mit den Dörfern Matibulak (Roslawl), Matebulak und Kulshabassy im Gebiet Shambyl, die Stadt Baikonur im Gebiet Kysylorda so­wie die Rayons Karmakschickij Kreis und Kasalinskiy.

Reisesicherheit in Usbekistan

Die Lage in Usbekistan ist ruhig. Sicherheitskontrollen wurden in den letzten Jahren verschärft, so dass man sich an vielen öf­fentlichen Plätzen an den Anblick von Uniformierten gewöhnen muss. Dadurch kann man unbedenklich reisen, da es fast keine Kriminalität gibt.

Es wird dennoch empfohlen, sich bei Reisen in Usbekistan um­sichtig zu verhalten, da weiterhin eine latente Gefährdung durch islamistisch orientierte extremistische Gruppen besteht, die in Teilen Zentralasiens operieren, sich aber bislang nicht gegen den Tourismus richten. Einige schmale Grenz­abschnitte zu Kirgisistan und Tadschikistan sind weiterhin ver­mint.

Reisesicherheit in Kirgistan

Kirgistan hat als einzige parlamentarische Demokratie in Zen­tralasien eine Vorreiterrolle in der Region. Allerdings kam es noch Anfang Januar 2013 zu gewalttätigen Auseinandersetzun­gen in der größtenteils von Tadschiken bewohnten usbekischen Exklave Sokh im Süden Kirgistans und im Jahre 2010 zwischen ethnischen Kirgisen und Us­beken. Gewaltsame Zusammenstö­ße, beispielswei­se im Rahmen von Demonstra­tionen im Zu­sammenhang mit in­nenpolitischen Entwicklungen in Kirgisistan, können immer noch im gesamten Land nicht aus­geschlossen werden. Es wird daher innerhalb ganz Kirgisistans zu allgemei­nen Vorsicht ge­raten. Bischkek ist eine bei Dunkel­heit sehr schlecht beleuchtete Stadt. Nach Einbruch der Dun­kelheit soll man daher möglichst nicht mehr zu Fuß unterwegs sein.

Alleinreisende Frauen in Zentralasien

Einige Frauen machen es. Manche haben es vor. Viele haben Angst davor. Auch wenn das für viele unglaubwürdig klingt, ver­reisen in Wirklichkeit Frauen häufiger alleine als Männer. Das trifft natürlich nicht für alle Länder zu. So reisen z.B. durch Ka­sachstan Frauen tatsächlich selten alleine. Nur eine von zehn Reisenden in Kasachstan ist eine Frau.

Als alleine reisende Frau fragt man sich oft, ob nicht schon mal das Alleineunterwegssein als Frau in dem fremden zu berei­senden Land gefährlich ist. Auch unsere Umgebung, unsere Freunde und unsere Familien tragen (wenn auch ungewollt) dazu bei, dass man sich einfach nicht traut. Hinter der Empö­rung „Was? Du willst, als Frau alleine nach Asien reisen? Das ist doch viel zu gefährlich!“ verstecken sich meist Unwissen und Vorurteile über eine Weltregion sowie darüber, was Frauen al­les nicht können. In der Regel ist diese Befürchtung unbegrün­det, es reichen allgemeine Vorsicht, gesunder Menschenver­stand sowie Beachtung der allgemein in jedem Land geltenden Regeln und Hinweise/Ratschläge für alleine reisende Frauen.

Das Alleinreisen als Frau hat auch gewisse Vorteile für das weitere Leben, da man Vieles dabei lernt. Man entwickelt eine Zuversicht, dass alles gut wird, man lernt, seinen Gefühlen zu vertrauen und begreift, dass unerwartete Situationen im Leben dazugehören. Häufig ist es außerdem unterwegs nicht Nach­teil, sondern Vorteil, eine Frau zu sein – die männlichen Touris­ten werden bei ihrer Reise häufiger kontrolliert.

Dennoch sollte man sich als alleine reisende Frau vor der Rei­se mit der allgemeinen Frauensituation, mit den lokalen Gege­benheiten und eventuellen Besonderheiten in dem zu bereisen­den Land beschäftigen, um sich über diese Klarheit und Be­wusstsein zu verschaffen und gegebenenfalls ungewollte Kom­plikationen vor Ort zu vermeiden. Auch gewisse Vorsichtsmaß­nahmen sind unverzichtbar. Wer in ländlichere Regionen reisen möchte, sollte möglichst auch Russisch können. In den Städten kommt man dagegen auch mit Englisch weiter. Dabei ist die Gastfreundlichkeit in Zentralasien meist auch ohne Russisch­kenntnisse zu verstehen.

Alleine reisende Frauen halten sich gewöhnlich an andere Frauen. Sie setzten sich neben sie im Bus, fragen sie nach dem Weg und passen sich dem Kleidungstil des Landes an, um so nicht unnötig aufzufallen. In Zentralasien wird einem auch schnell klar, dass lange Ärmel und Beine nicht nur bzgl. Sicherheit sinnvoll sind, sondern auch gegen die brennende Sonne in der Wüste wunderbar schützten. Ebenso kann man sich in das Kopftuch verlieben, das dort vor Sonnenstich schützt und eine ausländische Frau fast unsichtbar unter den Usbekinnen macht. Manchmal hilft auch ein „Ehe­ring“ weiter, um ungewollten Gesprächen mit Männern aus dem Weg zu gehen. Und man kann als Frau immer auf die Hil­fe anderer Frauen zählen. Als Frau alleine zu reisen bedeutet auch, den Reiseplan so zu gestalten, dass man am Bahnhof oder Flughafen möglichst bei Tageslicht ankommt. Auch wenn sie das erste Mal an einem Ort sind, verhalten sich alleine reisende Frauen oft so, als würden sie diese Gegend schon lange kennen. So schützen sie sich gut vor Dieben und anderen unerwünschten Personen.

Und wer sich am Ende nicht so leicht abschrecken lässt und ins Unbekannte aufbricht, wer die Herausforderung annimmt, wird belohnt werden und erhält Einblick in faszinierende Länder und Kulturen. Zu dem gehört sicherlich die muslimische Prägung und die Faszination einer religiösen Tradition, die Frauen ab­schrecken mag. Dabei kann gerade, wer als Frau alleine unter­wegs ist, einen Einblick in die lokale Kultur gewinnen, der von verbreiteten Vorurteilen abweicht. Weil alleine ist man dort fast nie, da man anderen Reisenden und vor allem aber Einheimi­schen begegnet, die z.B. ihre liebsten Produkte auf dem Basar zeigen und die einen nach seinem Herkunftsland befragen. Nur sind es keine Freunde von Zuhause, die einen begleiten. Dar­über hinaus erlebt man alleine viel mehr und viel intensiver als zu zweit.

Natürlich ist Kasachstan ein muslimisches Land, jedoch wird hier Toleranz groß geschrieben. Frauen in Usbekistan haben dagegen einen ganz eigenen Wert, die Bevölkerung ist überdies daran gewöhnt, dass auch einheimische Frauen alleine reisen.

Es lässt sich natürlich nicht vermeiden, dass man in Situation gerät, auf die sogar ein Sprachkurs nicht vorbereitet und die man alleine bewältigen muss. Alleine Reisen kostet auf jeden Fall Überwindung. Deshalb soll die Entscheidung, als Frau al­leine in fremde Länder aufzubrechen rein Ihre bewusste Ent­scheidung sein.

Bahnreisen in Zentralasien entlang der alten Seidenstraße - alle Informationen als PDF

 


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